Lauffröschli

kleine Sprünge & große Hüpfer

Nihilist

Agnostiker

Xenologophobiker

Bohème

Laufmisantroph

Syltlauf 2013

März 24th, 2013

Der Syltlauf 2013 ist vorbei. Ich konnte brutto die 33,333km in 03:58:11 knapp vor dem Zielschluss finishen. Netto ist wie üblich durch fehlende Akkuleistung und unangebrachte Bedienung des Smartphones nicht verfügbar.
Viele Bausteine haben zusammengepasst, damit diese Punktlandung möglich werden konnte. Die Vorbereitung ist unter den gegebenen Umständen optimal verlaufen, alle geplanten Läufe konnte ich wie vorgesehen beenden.
Der “Tempolauf” vom Freitag hing mir noch ein wenig nach, hat aber wohl nicht nachhaltig geschadet.
Am Tag vor dem Lauf waren zunächst noch 830km Autobahn zu bewältigen, die meine Freundin bravourös komplett allein bewältigt und mir so wichtige Körner bewahrt hat. Wir kamen so auch noch rechtzeitig zur Pastaparty und in den Genuss der leckeren Bolognesesauce. Undenkbar, den Lauf ohne dieses Doping bestreiten zu müssen.
Taktisch klug wurde der Fernseher nicht auf Schlag-den-Raab gestellt, um eine frühe Bettruhe nicht zu gefährden! Die angemessene Kleidung liess mir den ganzen Abend und die Hinfahrt zum Start über keine Ruhe. Angsagt waren regelmässiger Schneefall, 0 Grad und kräftiger Wind. Am Laufmorgen schien dann aber plötzlich die Sonne, wirklich einfacher hat das die Wahl aber nicht gemacht!
Die in den Wind gehaltetene Nase ist fast sofort abgefroren, gefühlte -6 Grad. Kurz undenkbar! Die scheinende Sonne würde mich aber unter der winddichten Kleidung braten. Lang undenkbar! So eine nichtwärmendende Windjacke, die wäre es gewesen, kommt aber nicht im Kleidersack vor! Wie üblich, wenn ich zwischen zu kalt und zu warm entscheiden muss, gewinnt zu kalt.
Aufgrund der Außentemperatur gehe bzw. laufe ich erst Sekunden vorher zum Start, kann Michael & Sina noch einen guten Lauf wünschen und los geht es. Nach knapp 500m lasse ich bereits abreißen und verfolge meinen 6:40-Plan. Unterbrochen von zwei Pinkelpausen hämmere ich stoische 16km mit gleichbleibendem Tempo in den Asphalt. Halbzeit. Die Knochen halten noch. Vor dem Start hat noch so gut wie jeder Knochen in den Füßen und Beinen geschmerzt, im Lauf ist dann wie üblich nicht mehr viel zu merken.
KM 18, Neuland in 2013, so weit hat es mich in der Vorbereitung nicht getragen. 06:40 – das Tempo hält, Beckerfaust. Die Zufriedenheit rächt sich aber sofort, innerhalb von 2 km fällt das Tempo auf 07:00 – 07:10. Bei km 20 haben es die Beine hinter sich. Noch sind es aber 8 Minuten Puffer, um die Strecke in der Gesamtzeit von 4 Stunden schaffen zu können. Mein Vorhaben: erst aussteigen, wenn ich hinter dem Zeitplan hinterherhinke. Ich schleppe mich also dahin, kann aber das Tempo relativ konstant halten.
Die “Steigungen” im Klappholtal kann ich problemlos hinaufschleichen und sogar noch einige arme Seelen einholen. Dann die letzte Verpflegungsstelle. Noch 6-7km, noch 7 Minuten Puffer, Beine müde, aber krampffrei. Der Bus steht bereit, aber es geht weiter. Irgendwann nach Westerland hat sich die Sonne verzogen, der Wind sich leicht gedreht. Jetzt wäre eine Jacke nicht schlecht gewesen… Die letzten Kilometer geht es dann direkt gegen den Ostwind, die Strecke steigt stetig leicht an. Es sind zwar insgesamt nur knapp 92 Höhenmeter, die aber fast komplett auf der zweiten Hälfte liegen.
Genuss ist jetzt nicht mehr vorhanden, die Wanderdüne ist mir egal, die Zielzeit auch. Ankommen wäre jetzt schön. Die letzten Kilomter ziehen sich endlos. Die GPS-Uhr ist ausgefallen, das Telefon weicht seit der Hälfte stark von den Markierungen auf dem Boden ab. Ist es noch 1km, oder doch 1,5? Was ist mit dem Puffer, wenn die gemessene Entfernung falsch ist? Wo ist denn diese Linkskurve? Los! Ist es noch weit? Endlich. Es geht immerhin bergab, zieht sich aber immer noch. Wie ist denn die Zeit, wo ist der Zielkanal? Mimimi, Beinweh. Da, Kurve. Sina springt, Michael knipst, Angeber! Ziel.
Angekommen. Müde. Etwas neben mir schaffe ich es mit einem waren Tee auf eine Bank. Sitzen. Ruhe. Wo ist das Bier, wo der Öffner? Das Öffnen der einen Flasche an der andern gestaltet sich schwierig. Welche Flasche muss nun oben sein? Automatismen funktionieren nicht. Kopfhörerkabel vom Medaillenband entwirren chancenlos. Im Whirlpool der Sylterwelle kann ich mich dann richtig fallen lassen. Der Weg ist durch die Busanreise zwar lang und weit, im Vergleich zu kalten und engen Umkleidekabinenduschen aber sehr lohnend!
Am Ende hat alles gepasst. Die sanfte, aber bestimmte Vorbereitung, die stressfreie Anreise, angenehmes Wetter auf großen Teilen der Strecke und die richtige Schuhwahl. Erst 5 Tage vor dem Lauf hatte ich mir den adidas energy boost gekauft. Eigentlich wollte ich nur Gel kaufen, aber eine kurze Anproben hat mich angefixt. Der Schuh trägt sich leicht und angenehm, ist durchaus mit meinem bisherigen Lieblingsschuh Lunarglide zu vergleichen. Die Speedcross hatten meinen Zehen stark zugesetzt, die anderen zwei zur Verfügung stehenden Paare sind auch recht neu und beide noch nicht so richtig im Regal angekommen.

Ein früheres Ende des Laufes wäre nicht nur wahrscheinlich, sondern auch nicht schlimm gewesen. Böse bin ich aber mit der aktuellen Entwicklung nicht, die Zufälligkeit und die gehörige Portion Glück sind mir auch sehr bewusst.
Die beiden erfolgreichen Teilnahmen der letzten Jahre mit teilweise ähnlich schwieriger Vorbereitung haben dem Kopf natürlich Sicherheit gegeben, das “eingeplante” und akzeptierte DNF die nötige Lockerheit. Es darf auch ruhig mal einiges zusammenpassen.

Syltlauf, wir sehen uns wieder!

Nachwort: die vergessenen Läufer von Sylt.

Leider sind mir wie im Vorvorjahr die Schicksale vieler Leidensgenossen der Nachhut unbekannt. Durch den rigorosen Zielschluss nach 4 Stunden und der Nichtaufnahme in die Ergebnisliste bleibt ihr weiterer Rennverlauf unbekannt. Missachtet, vergessen, DNF.

Fast egal, was ich im Blog ankündige… es kommt dann doch anders und wird meist wesentlich schlechter. Kein Rodgau, kein Merkers…
So auch meine Trainingspläne für den Syltlauf. Die Wochen zogen vorbei, doch außer gelgentlichen Miniläufen ist nichts geschehen.
Noch 6 Wochen, noch 5… jetzt dann aber los. Die Tasche war gepackt, um am Abend einen ersten etwas “längeren” Lauf in Richtung von 10km zu absolvieren. Aber dann folgte ein Schwächegefühl, gefolgt von Frieren. Klarer Fall –> Fieber.
Also ging es erst lauflos heim, dann dick eingepackt ins Bett, Ausschwitzen. Wie üblich ist dann am nächsten Tag wieder alles gut. 38,9°C. Aua. Nächster Tag 38,8, darauffolgender Tag 38,6 usw. Nach 5 Tagen dann fieberfrei (sub 37,5), aber Flasche leer. Nach 10 Tagen dann ein zaghaftes Läufchen, am nächsten Tag noch eins. Sehr mühsam, 3 Tage Pause.
Nun waren es nur noch 2 Wochen bis zum Wettkampf und meine längste Laufdistanz in 2013 betrug 6,5km, in den vergangenen 12 Monaten bin ich geschätzt knapp 100km gelaufen.
Ich habe mir also einen Plan aufgestellt, der mich mild aber bestimmt für möglichst weite Distanzen vorbereitet, die Geschwindigkeit spielt dabei überhaupt keine Rolle.
Die halbe Distanz bis Westerland möchte ich auf jeden Fall schaffen, das Kampener Dünengebiet wäre ebenfalls toll. 16-25km sind also die Zieldistanz.

Einlaufen
So, 24.02.    6km    nach Krankheit einlaufen
Mo, 25.02.    6km    nach Krankheit Rückgewöhnung
Fr, 01.03.     6km    nach Krankheit Laufgewöhnung

Trainingsphase
So, 03.03.     10km     ab km 7 wurden die Beine schwer, danach Muskelkater! Und Blase! Nach 10km!
Mo, 04.03.     13km:     einfach blind nach der Arbeit in den Wald gelaufen und dann irgendwann Richtung Heimat abgebogen. Sollten nur 12 werden. Die letzten 2 km waren hart!
Di, 05.03.         Pendeltag. Füße hoch!
Mi, 06.03.     10km     Mit einbrechender Dunkelheit durch einen Kölner Park gestolpert. Müde Beine.
Do, 07.03.         Pendeltag
Fr, 08.03.     13km     Gleiche Route wie am Montag, nur mit noch mehr Anrufen währenddessen
Sa, 09.03.         5 Stunden Treppentraining (Pizzafahren)
So, 10.03.     16,7km     lange nutzlos auf dem Sessel gesessen, dann der Nase nach in den Wald, verlaufen. Musste am Ende ziemlich beißen. Danach völlig platt und leer.
Mo, 11.03.     16,7km    sollten mindestens 13 werden, aber die Beine waren überraschend erholt und noch fit für ein Schleifchen.

Auslaufen
Mi, 13.03.    5km    mit neuen Schuhen auf Schnee & Eis
Fr, 15.03.    5-8km    Beine ausschütteln
Sa, 16.03.    2-3km    Beine ausschütteln

Die Trainingsphase hat beängstigenderweise genau wie geplant funktioniert. Konsequent gesteigerte Läufe in langsamer Geschwindigkeit. Zweimal die halbe Distanz an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.
Doch wird das für den Syltlauf reichen? 33,333km windanfällige Kilometer. Zielschluss nach 4 Stunden (Schnitt 07:12). Die beiden 16,7km Läufe habe ich in 02:00 bzw. 02:03 ohne Luft nach oben, aber unter guten Konditionen beendet.
Ich habe lange mir mir gerungen, ob ich am Mittwoch noch einen Lauf über 25km einstreuen sollte. Instinktiv habe ich “ja” gebrüllt, aber die Vernunft hat gesiegt. Mir war klar, dass ich die ungewohnte Belastungsphase nicht unendlich strecken kann
und der Einbruch unweigerlich erfolgen muss. Dann aber bitte nicht beim Wettkampf.

Die Taktik ist ziemlich klar. Langsam. Beginnen mit 06:40 – 06:50, dann automatische Reduktion. Die Strandpromenade bei km16 muss erreicht werden. Die nächsten 10km sind dann fast ein Selbstläufer, hübsche Dünen, zwei Orte hintereinander, abwechslungsreich.
Fehlen noch 8km. Mit Blick auf meine Trainingsdistanzen und -zeiten ist ein Finish innerhalb der 4 Stunden fast ausgeschlossen. Sobald ich einmal hinter den 07:12 im Schnitt zurückhänge, ist der Ofen aus. Die Regeln des Laufes sind klar, das Ziel wird sofort abgebaut und es erfolgt kein Eintrag in die Ergebnisliste.

Soll ich nun den Lauf beenden, wenn die Kraft meine Beine vermutlich bei km25 verlässt? Habe ich einen Lauf gefinished, wenn ich die letzten 8km gehe und 30 Minuten nach Zielschluss in selbiges torkele? Ich meine nein! Ein Lauf muss laufend und ohne fremde Hilfsmittel zurückgelegt werden! Mit großem Widerwillen
nehme ich Flüssigkeit oder mal ein Gel zu mir, aber eine längere Gehpause verhagelt mir alles. Zudem wartet meine Tasche im Ziel nicht ewig, der Shuttlebusservice fährt nicht endlos. Und dann gibt es noch das Besenfahrrad und Motivationsläufer, die auf den letzten Kilometern Mut zuquatschen. Laufmisantroph steht nicht ohne Grund in meinem Beschreibungsfeld…

Rodgau, Merkers, Sylt

Januar 31st, 2013

2012 ist aus sportlicher Sicht schnell zusammengefasst. Vorbereitung auf den Syltlauf, OP. Eintraben, OP. 3 kleine Triathlons, Demotivation & Zeitnot, Hockenheimringlauf, Demotivation & Zeitnot.
Zeitnot heisst bei nicht, dass ich nicht hätte schon irgendwo einen Lauf einquetschen können, sondern dass ich die zusätzliche Belastung durch Training bzw Unfitness nicht auch noch auf dem Tagesplan haben wollte.
Selbst 2 Wochen Urlaub nach Weihnachten haben nicht geholfen. Ursprünglich hatte ich Kajakaktivitäten und Bogenschiessen auf dem Plan, auch hier hat es nur zu zwei Tagen auf dem Bodensee gereicht. Wandertouren habe ich garnicht gemacht.
Zu allem Überfluss arbeite ich mittlerweile unter der Woche in Köln, so dass noch ein Haufen Zeit für Pendelei wegfällt. Die logistische Herausforderung zur Verteilung der Schuhe, Kleidung und Technik ist auch nicht zu unterschätzen und hat den eoin oder anderen Lauf erschwert.
Einen Start in Rodgau hatte ich ursprünglich geplant, doch recht früh war klar, dass es nicht für die geplanten 25km reichen würde. Zu allem Überfluss musste ich am Vorabend lange arbeiten, so dass auch ein Cheerbesuch logistisch unmöglich wurde.
Voller Schrecken denke ich gerade an meine Anmeldung für den Halbmarathon im Bergwerk Merkers. Seit fast 11 Monaten habe ich die 10km nicht mehr in einem Lauf überschritten, viel Zeit bleibt nun nicht mehr. Zusätzlich winken bereits die 33km in Sylt am 17.03. im Hintergrund.
Ich sollte mal wieder los. Immerhin habe ich mir in zwei Outlets 2 neue Laufschuhe gekauft, so dass ich theoretisch wieder gut ausgerüstet wäre. Praktisch hätte ich vielleicht zu EINEM Modell, dass mir richtig gut passt/gefällt greifen sollen. So ist das eine von der Dämpfung her etwas komisch, das andere etwas zu groß.

Schottland – Tag 9-16/16

August 21st, 2012

Um den Reisebericht endlich fertigzustellen, erhöhe ich die Erzählgeschwindigkeit etwas, außerdem vergisst man innerhalb eines Jahres einiges. Oh je. Schon fest ein Jahr ist die Wanderung schon wieder her? Und noch nicht Neues geplant… das muss sich ändern!

Der Wecker klingelt unbarmherzig, halb sieben – ist das früh! Schnell einen Kaffee aufsetzen und dabei den Espressokochergriff auf dem Gasherd abschmelzen , war sowieso das letzte Pulver, dann ab ins Taxi und durchs Glen Coe zurück zum Kingshouse Hotel. Der Himmel ist bedeckt mit einigen Löchern und teilweise herausscheinenden Sonnenstrahlen, die die Berghänge anleuchten. Wunderschön! Was für eine Stimmung, die mich glatt zum Morgenmenschen lassen werden könnte, wenn der Morgen nur nicht so früh am Tag wäre.

Direkt hinter dem Hotel sehe ich dann neben einer Brücke eine kleine Campingwiese, die ich am Vortag übersehen hatte. Abgesehen von den Kosten und dem Fahraufwand hätte ich aber ungern den restlichen Vortag im Zelt verbracht. Um das passable Wetter auszunutzen habe ich einen Kaffee im Hotel ausgelassen und mich sofort auf die nächste Etappe gemacht. Nach knapp 4km kommt dann ein Punkt, an dem ich den Buachaille Etive Mòr hochsteigen hätte können, doch der wieder einsetzende Regen und die Unsicherheit, alleine rutschige Hänge hinauf und wieder hinabsteigen zu müssen, lassen mich weitergehen. Devils Staircase heisst die Etappe und stellt den höchsten Punkt des kompletten Weges. Treppenartig geht es zweimal knackig bergauf, gesprenkelt mit andauernden kleinen Schauern und gelegentlichen Sonnenstrahlen in der Ferne. Irgendwann ist dann der Zenit überschritten und ein paar Flussquerungen liegen vor mir, die am Vortag haarig gewesen wären (und gewesen sind, wie ich später erfuhr). Irgendwann geht es noch ein paar Kilometer mittelprächtig über einen recht breiten Schotterweg nach Kinlochleven und vor die verschlossenen Türen des einzigen Fish&Chips-Ladens. Krankheit. Also investiere ich mein Restgeld in abgelaufenes indisches Essen in einem Supermarkt und lege eine Tee- und Essenspause ein. Das Wetter ist nach einem neuenRegenschauer wieder ganz ok, es bleibt noch etwas Zeit und ein Schlafplatz will auch gefunden werden, also breche ich wieder auf und nehme die letzte Etappe in Angriff. Wieso hat mir nur keiner gesagt, dass das folgende Stück der schwerste Aufstieg des kompletten Weges ist? Und was macht genau jetzt die Sonne hier? Nach 2km und vielen Höhenmetern erreiche ich dann den Weg, der geradeaus bis nach Fort William führt. Der Wind bläst hier oben ziemlich und ein etwas geschütztes Stück Gras ist schwer zu finden, also weiter und weiter und weiter. Knappe 2-3 km später findet sich dann endlich ein Plätzchen, das Zelt steht und nach etwas Herumstreunen begebe ich mich zum Essen und Lesen hinein.

Am nächsten Morgen wache ich vom Geprassel der Regentropfen auf. Es gibt ja kaum deprimierendes! Im Wissen, nur noch 2 Drittel der Schlussetappe vor mir und die Höhenmeter fast komplett hinter mir zu haben, bleibe ich liegen. Es wird neun, es wird zehn. Ich koche einen Tee. Plötzlich Stimmen, dann Schritte, erst wenige, dann pausenlos. Ich bin auf einer Autobahn gelandet. Vermutlich sind alle gebündelt um neun aufgebrochen und/oder mit dem Bus aus Fort William gekommen, um die Schlussetappe zu gehen. Unentspannt packe ich meine Sachen und breche ebenfalls auf. Viel zu viele Menschen, jeder Ruhestein ist besetzt, kaum eine Chance um in Ruhe die Morgentoilette erledigen zu können. Halbmotiviert trotte ich dahin und spätestens nach einem Abstecher zu einer Ringwallanlage bin ich wieder fast allein auf der Strecke. Auf halbem Weg fangen meine Füße plötzlich an zu schmerzen, das Ziel naht und die Luft ist etwas raus. Die letzten 4km gehen fast komplett über Asphalt nach Fort William, ein leider etwas unwürdiger Abschied und verbesserungswürdig. Leider muss man den Weg auch wieder zurücklaufen, wenn man auf dem Campingplatz übernachten will. Viele bleiben auf dem Campingplatz und gehen dann am Folgetag die letzten Meter ohne Gepäck -ohne mich- wennschon, dennschon. Mitten beim Verzehr der verdienten Fish&Chips erfahre ich per mail, dass sich meine Gehaltszahlung um drei Wochen verschieben wird. Das erste Mal in 10 Jahren, gerade jetzt! Ich bin geistig und körperlich ziemlich rund, es bleiben aber noch 7 Tage, die verbracht werden möchten. Den geplanten Kajaktrip muss ich so leider ausfallen lassen und faules Busrumreisen kommt mit 10 Pfund Restgeld auch nicht in Frage. Glücklicherweise hatte ich die Busrückfahrt ab Inverness bereits im Internet gebucht und bezahlt. Statt Campingplatz wurde es so also wieder ein Platz im Wald, wo ich allerdings einen Mitzelter traf, mit dem ich dann den kompletten nächsten Tag in Fort William verbrachte.

Wir sind zwar auch bestimmt 15km bei Besichtigung diverser Kirchen und Burgen herumgelaufen, trotzdem tat dieser Ruhetag sehr gut. Leider war auch das Wetter gut und Ben Nevis fast wolkenfrei. Meine Füsse wollten aber bestimmt nicht sofort wieder einen Berg hinauf, also wartete ich auf den nächsten Tag. Und den nächsten Regen.

Bereits um 8 mache ich mich an den Aufstieg, im Regen und fluchend. Der Wind peitscht. Ich verwünsche meinen Startpunkt. Von der Jugendherberge zu starten spart einige Meter, die aber mit unzähligen rutschigen und ungleich hohen Stufen zu bezahlen sind. Immer weiter vorran. Irgendwann ein Lochan und noch immer nicht die Hälfte, dafür ist es kurz flach. Viele Leute hier, viele mit Startnummer. Es lief irgendeine Charityveranstaltung mit hunderten Teilnehmern, die mir dann vor allem beim Abstieg durch das andauernde Überholen auf den Geist gegangen sind. Bei dem Wetter war an Pausen nicht zu denken. Der Regen wird stärker und der Wind erreicht Sturmniveau. Irgendwann tauchen wir in einem Wolken- oder Nebeldecke ein. Es wird steiler und es geht in Serpentinen über Geröll weiter bergauf. Irgendwann ist es wieder flacher, es steht ein verfallenes Gebäude herum  und das Licht ist nur noch dämmrig. Der Regen fällt senkrecht. Der Gipfel! Es geht drei Stufen hinauf, angekommen. Ganz plötzlich, ohne Ankündigung. Erinnerungsphoto, umdrehen, zurück. Mir kommen Gedanken, dass der Rückweg bei schlechter Sicht nur schwer zu finden ist. Glücklicherweise wurden in letzter Zeit Steinhaufen aufgeschichtet, so dass ich sicher aber die Gefahr riechend wieder die Serpentinen erreiche. Endlich Gegenwind, der so stark bläst, dass man kaum nach vorne fällt. Auf halber Höhe lässt der Wind dann etwas nach, der Regen leider nicht. Völlig durchnässt erreiche ich den Startort und schmuggle mich auf den Campingplatz, um eine heiße Dusche ergattern zu können. Im Waschraum treffe ich einige bekannte Gesichter wieder und es werden die Erlebnisse der letzten Tage ausgetauscht.

Der Tag schreitet vorran, ich bin ziemlich erledigt und der Regen hört nicht auf. Glücklicherweise entscheide ich mich gegen einen Aufbruch und baue mein Zelt auf, wohlwissend, dass der Wächter um halb sieben die Zelte kontrollieren wird. Zu der Zeit koche ich bereits meinen Tee in der Küche. Unmotiviert begebe ich mich dann auf den zweiten Wanderweg, den Great Glen Way, der von Fort William nach Inverness führt und dabei fast komplett einem Kanal und Loch Ness folgt. Ich war komplett zufrieden, den WHW in voller Länge und mit Ben Lomond und Ben Nevis absolviert zu haben, der GGW war jetzt nur noch Transfer nach Fort William. Die ersten 5,6 Kilometer geht es durch Außenregionen von Fort William, die weder hübsch sind, noch Übernachtungsmöglichkeiten geboten hätten – ein Desaster bei Aufbruch am Vortag. Am Kanal angekommen gibt es einige Schleusen zu sehen, danach geht es 15km flach und geradeaus am Kanal entlang. Sogar mit etwas Sonnenschein, trotzdem langweilig. An den Schlafort in dieser Nacht kann ich mich gar nicht mehr erinnern.

Am Folgetag geht es an zwei Lochs vorbei, dann wieder etwas Kanal und teilweise matschige Wege. Den GGW kann man auch mit Rad oder Pferd zurücklegen, dementsprechend breit und unpfadig sind die Wege. Die Nacht verbringe ich auf einem Wildcampingplatz für Kanufahrer, die den kompletten Canal befahren können und von mir dafür beneidet werden.

Durch ein hübsches Örtchen komme ich zu Loch Ness, dass 200m hoch auf der Nordseite begangen wird. Loch Ness ist zwar das bekannteste, tiefste und längste Loch, leider aber auch das am wenigsten schöne. Relativ ereignislos und ohne Highlandkulisse zieht es sich fast 40km(?) dahin. Die Vegetation erinnert mich dabei oft an den Schwarzwald. Eigentlich hübsch, aber dafür bin ich nicht in Schottland. Vermutlich bin ich aber auch nur etwas ungerecht und will heim.

Die Krönung im negativen Sinn ist dann der Campingplatz, den ich mir am letzten Abend gönne. Nur Schlamm, Klo mit Sägespänen als Spülung, kein Wasser, keine Getränke. Wofür dann die 5 Pfund? Wanderer, umgeht diesen Campingplatz kurz vor oder nach Fort William, auch wenn aufwendig mit Essen und Trinken und einem Indianernamen geworben wird. Zu allem Überfluss sitzen in meinem Topf am nächsten Morgen 5 Nacktschncken samt haufenweise Schleim. RIP Topf. Pfui! Ade, Tee.

Wieder einmal geht es am Ende lange über Asphalt, bis man schlussendlich durch einen Wald in Inverness ankommt. Einige Vororte werden über Wiesen durchquert, dann ein paar wohl hübsche Flussinseln, für deren Genuss mir aber der Sinn fehlt, dann am Ziel des zweiten Weges. Direkt daneben gleich ein Hostel, meine Kreditkarte lässt wieder Buchungen zu. Fertig.

Den Great Glen Way kann ich leider nur bedingt empfehlen. Wenn überhaupt, dann als Einstieg oder als Kanufahrer, aber nicht als Verlängerung des West Highland Ways. Der Weg ist streckenweise monoton und kommt ohne Schwierigkeiten oder wirkliche Besonderheiten aus. Interessant ist bestimmt auch ein Reggaeschiff (Fingal Cruises), das die komplette Strecke fährt und Fahrräder, Kanus, Segelboot und anderen Kram für täglich andere Aktivitäten mit sich führt.

Noch etwas Stadtbummel, am nächsten Morgen Rugby-WM Schottland-England im Pub, ein wunderschöner Buchladen und mit dem Bus zurück nach Edinburgh. Abschliessend betrachtet war die Reise in Fort William auf dem Ben Nevis beendet, der Rest unnötige Zugabe. Hatte ich erwähnt, dass es an den letzten Tagen so gut wie keinen Regen mehr gab und ich streckenweise sogar geschwitzt habe? Wenn ich aber nur den WHW hätte gehen wollen, wäre mein Zeitplan straffer und ich gestresst und in Zeitnot gewesen.

Gesamturteil: Hach!

10 Wochen später

August 19th, 2012

10 Wochen sind seit dem letzten Posting vergangen, viel Training gab es allerdings in der Zwischenzeit nicht. Ein paar Läufchen im Juni, ein Triathlon im Juli gefolgt von 4 Wochen Pause, direkt gefolgt von einem weiteren Triathlon.

Der Juni war geprägt von einer drohenden OP, die dann leider erst im Juli erfolgt ist, dafür aber nur knapp 4 Wochen Laufpause erfordert hat. So wurde leider ein sinnvoller Trainingsaufbau mit dem Ziel einer Leistungssteigerung zunächst verunmöglicht und durch gelegentliches Traben ersetzt. Motiviert durch den Twitterlauftreff habe ich mich dann für den Triathlon in Stutensee angemeldet. Keine 10km entfernt, nette Leute da, Triathlonpremiere von Wolfgang, warum also nicht? Glücklicherweise bin ich ohne jegliche Ziele in den Wettkampf gegangen, so dass mir die zumeist selbstverschuldete Pannenserie wenig zu schaffen gemacht hat. Eigentlich bin ich gar nicht soooo spät losgefahren, doch der einsetzende Platzregen zusammen mit einer gesperrten Ausfahrt, durch den Regen übersehener Umleitungsempfehlung und spärlicher Ausschilderung vor Ort in Kombination mit weiten Wegen zur Startnummerausgabe und weiteren fast 2km zum Schwimmstart bringen mich um 10:01 hechelnd zur Wettkampfbesprechung. Eigentlich war der Start bereits um 10:00, aber der Starkregen hat eine Verschiebung von 15min bewirkt. Einige sinnvolle Informationen kann ich so noch aufschnappen, andere wie die zur Beschreibung im Internet abweichenden Radrunden verfehlen mich leider.

Bumm. Losschwimmen. Wasserstart, letzte Reihe. Stau. Als Brustschwimmer kann ich nur von hinten starten, bin aber etwas schneller als die meisten Stilgenossen, die mich auf den ersten 100m andauernd ausbremsen. Der Affe vor mir strampelt wild herum, wechselt von Kraul zu Brust zu Rücken zu Planschen und klammert sich dann panisch an der ersten Boje fest. Mitten im Ärger über die verlorenen Sekunden erkenne ich Not und Wolfgang, der bleich und verstört etwas von Krampf stammelt. Während die umliegenden Schwimmer etwas ratlos anhalten und beobachten, ergreift Carmen die Initiative und brüllt Wolfgang an und den Rettungsschwimmer auf dem Surfbrett herbei. Beruhigt kann ich weiterschwimmen, bin aber ob meiner Passivität leicht beschämt. Das geht besser!

Leider habe ich so den Anschluss an die Kraulgruppe verloren und frage mich brillenlos, wo es jetzt eigentlich hingeht. Man würde die zweite Boje erst nicht sehen, fällt mir wieder ein, ah da hinten spritzt es etwas, dahin muss ich wohl. Der See ist warm, das Wasser aber nicht sonderlich klar und der Boden unsichtbar. Ich schwimme ruhig vor mich hin, verfehle aber mehrfach den Kurs und verliere wichtige Sekunden und die Brustgruppenführung. Aus dem Wasser raus, Hügel hoch, Transponder auschecken, Rad suchen. Da zuvor schon alle Plätze belegt waren, lehnt mein Rad einfach an einem Baum. Jetzt rächt sich meine etwas hastige und gedankenlose Anreise. Klettverschlüsse der Radschuhe sind noch zu, Socken auf links und verwurschtelt. Unnötig! Dafür sehe ich Wolfgang wieder, der seinen Krampf überwunden hat und wieder auf dem Damm ist. Auch Carmen ruft etwas von links. Im Dreierpack gehen wir fast zeitgleich auf die Radstrecke.

Jetzt ist die Strecke sogar fast trocken und die Sonne scheint, die Beine sind locker und sorgen für einige schnelle Überholmanöver. Ich komme gut in die Aeroposition und trete ruhig und kräftig vor mich hin. Am ersten Wendepunkt sehe ich Wolfgang und Carmen gut 50m hinter mir. Weiter Dampf, denn Wunderläufer Wolfgang kann ich beim Laufen unmöglich halten. Am nächsten Wendepunkt ist der Abstand schon viel größer geworden, bei der dritten Wende kann ich keine Verfolger mehr erkennen. Leider ist auch sonst keiner mehr in meiner Nähe, wohl alle schon auf der Laufstrecke. Der Weg zum Laufstart ist frei, alle winken freundlich. Wo gehts denn jetzt lang, wo muss ich hin? Absteigen, auf zu den Laufschuhen. Auf der Transitstrecke überholt mich einer und ruft etwas von zu früh abgebogen. Tatsächlich, erst knapp 6 Räder stehen in den Ständern. Verflixt! Was tun? Ich entscheide mich für die Peinlichkeit, die Wechselzone rückwärts zu verlassen und wieder den Berg zur Strecke hinaufzufahren, Augen geradeaus und allen Blicken entgehen. Auf der Strecke radelt Wolfgang gerade vorbei und schaut mich verwundert an. Na Klasse, da fahre ich knapp 3 Minuten heraus und vergeige dann den Vorsprung wieder. Die Luft ist jetzt raus, so fahre ich die dritte Runde ohne rechten Zug. Im Ausrollen und Schuheöffnen überholt mich Wolfgang sogar noch auf der Radstrecke.

Carmen läuft auch gerade los, wir drei sind wieder zusammen. Während Wolfgang in der Ferne verschwindet, bleibt der Abstand zu Carmen stabil. Von hinten überholt mich dann jetzt noch jeder, den ich wegen des Radfehlers nicht sowieso schon vorbeigelassen habe. Der Lauf zieht sich endlos, die Sonne brennt. Nicht einmal die sub1:30 ist mir im Ziel vergönnt, aber was solls. Getränk suchen, Schatten, hinsetzen. Fazit: Sportlich wertlos und verkorkst, dafür menschlich sehr nett. Am Abend dann gleich die Anmeldung für den nächsten Triathlon in Viernheim. 5 Wochen müssen doch für Genesung und Training reichen, da es keine 24h nach Stutensee auf den OP-Tisch geht und das Sitzen in den nächsten Wochen schwierig wird.

2 Wochen später geht es dann beruflich für eine Woche nach Indien, wo es immerhin zu einer kleinen Radtour, etwas Schwimmen im Hotelpool und einem Minilauf reicht. Nach zwei Wochen weiterer Schonung geht es 6 Tage vor Viernheim mit voller Kraft in die Vorbereitung. Bis nach 100m des ersten Läufchens beide Achillessehnen laut schreien, gefolgt von Knie, Schienbeinen und was da sonst noch so wächst. Dehnpause nach 1km, dann nur noch zurück zum Auto. Zeit hatte ich sowieso keine, mp3-Player keinen Strom mehr und die GPS-Uhr keine Satelliten. Passt also alles zusammen. Dann der nächste Schock: Vierheim ist bereits am Samstag! Und es sind weit über 30 Grad angesagt. Wir starten alle in verschiedenen Startgruppen, dazu noch im Schwimmbad. Wenn ich nicht schon ein Mitfahrdate ausgemacht hätte, wäre die Absage genau jetzt erfolgt.

So folgen zwei Tage Zeitknappheit, dann endlich am Donnerstag ein recht problemloser 5km-Lauf in Minderzeit. Für den Triathlon bin ich also bestens vorbereitet. 600m geschwommen in 2012, dazu ca. 120km sportlich motiviertes Radfahren und von Achillessehnenbeschwerdengeplagtes Laufen mit 12 Wochen OP-Pause.

Vieles lief dann in Viernheim besser als in Stutensee. Rechtzeitige Anreise, gute Ausschilderung, genügend Zeit zur Wechselzoneneinrichtung. Sogar meine Radflaschenhalterung konnte ich reparieren, doch ohne Trinkflasche hat mir das wenig genützt.

Nur 1,5 Stunden nach der Wettkampfbesprechung darf ich dann ins Wasser des Freibades, glücklicherweise nur mit 5 anderen. Leider sind zwei auf der Bahn manchmal langsamer als ich, so dass ich einmal zu einem Überholspurt gezwungen bin und mehrfach durch Stilwechsel  aufgehalten werde. Als Dreierknäuel steigen wir dann aus dem Wasser – wo ist die zuvor hingelegte Brille – weggeräumt – hallo? – 15s verloren.

Mit 12:10 bin ich aber für 500m Brust sehr zufrieden, weiß aber leider nicht, wo die Zeitmessung stattgefunden hat. Mit 3:52 habe ich mir beim Wechsel viel Zeit gelassen, der Weg war aber auch lang und trinken musste ich auch noch etwas. Nach wenigen Metern auf der Radstrecke gehe ich in die Aeroposition, aber Magen-und Rückenschmerzen zwingen mich wieder in die aufrechte Position. Es läuft nicht rund. Beim Schwimmen überpaced? Zu dick? Hoden verklemmt? Wassermangel? Dauerhaft kann ich leider kein Tempo über 32kmh fahren und so auch nicht wie üblich viele Mitfahrer einsammeln. Gut, so spare ich mir immerhin das wieder-überholt-werden auf der Laufstrecke.

Meine Schwimmbremse kommt nur Sekunden nach mir zurück ins Stadion (auf dem Mountainbike – das sagt alles über meine Radzeit)und die ersten 250m laufen wir gemeinsam, bis mir mein etwas hektischer Atem auffällt. 5:30 ist mir leider zu schnell, die Strecke verlangt ziemlich viel Aufmerksamkeit. Puls herunterbringen, Durst verdrängen. An der Getränkestation werde ich “ignoriert”, alle drehen sich zufällig um oder weg. Immerhin fällt es ihnen dann auf, so dass ich auf dem Rückweg äußerst zuvorkommend und mit vielen Bechern bedient werde. Das Wasser tut auch gleich sehr gut, blöderweise zwickt sofort die Blase, aber dafür habe ich keine Zeit und keine Lust. Das Ende der Laufrunde liegt in der prallen Sonne und ist die reine Qual, der restliche Weg dafür schattig, aber verwurzelt. Ein Typ überholt mich bestimmt 6mal, um dann immer wieder Gehpausen einzulegen. Nervig, vor allem sein Trommelschritt und das Geschnaufe hinter mir, da kommt der Laufmisantroph wieder zum Vorschein! Trotz Wassergabe und besserem Befinden sinkt meine Zeit aber von 6:30 auf 7:00. Das Ziel ist dann eine Erlösung – Zeit 1:27 irgendwas. Meine Leistung war ähnlich wie in Stutensee, etwas schneller beim Schwimmen, dafür Magenprobleme auf dem Rad, aber ohne Fahrfehler.

Was kann ich nun nach den zwei Veranstaltungen lernen?

Rechtzeitige Anreise

Konzentration bei der Wechselzoneneinrichtung

Radflasche(n) mitnehmen

Kraulen lernen (selbst der mieseste Krauler war schneller als der beste Brustler)

Abnehmen

Trainieren

Nach dem Laktattest…

Mai 30th, 2012

…ist vor dem Laktattest.

50 Euro später wurde aus meinem Gefühl Gewissheit. In den unteren Lagen bin ich schlecht aufgestellt. Der 4 mmol-Wert (05:05; 171 HF)  hat sich im Vergleich zum letzten Test vor 3 Jahren nur unwesentlich verschoben, der 2 mmol-Wert (06:56; 141) liegt aber in meinen Augen schon viel zu hoch (oder niedrig – wie auch immer man das sehen will).

Ich hatte beim Test mit 7 km/h angefangen und schon 1,7 mmol bei der ersten Messung gehabt. Wollte ich nun im Bereich zwischen 1 und 1,5 mmol bleiben, müsste ich schlicht und ergreifend gehen. Ich verschiebe daher, wie schon vermutet, den Trainingsstart auf den 01.07., um zuvor bereits ein wenig Form aufbauen zu können, bleibe dabei aber im GA 1 (122-149).

Die Läufchen der letzten Tage habe ich bereits mit Anleihen der rwm absolviert. Langsames Umherschleichen mit Gehpausen. Um im Bereich zwischen 1 und 1,5 mmol trainieren zu können, müsste ich, wie schon oben erwähnt, gehen! Nach den Gesetzen der Logik dürfte ich dann eine Laufpause einlegen, oder? Meine Standardrunde laufe ich übrigens jetzt in die andere Richtung, um seltener überholt zu werden…

Der studierte Sportwissenschaftler, der den Test durchgeführt hat, sieht nach einer Kurzvorstellung der rwm den angekündigtenversprochenen Erfolg auch nicht unbedingt als logische Folge. Einig waren uns in der Eignung der rwm für meinen aktuellen Form- und Gesundheitsstand. Ein langsamer und sanfter Einstieg sollte mit körperlich wenig Schaden zufügen und meine Achillessehnen wenig beanspruchen. Ich kann bei der Methode eigentlich nur gewinnen: ich überlaste mich höchstwahrscheinlich nicht und erreiche im Erfolgsfall ungeahnte Fabelzeiten! Im Misserfolgsfall bin ich einfach nur so lahm, wie ich schon immer war.

Das ebook habe ich mir übrigens selbst und höchstpersönlich gekauft. Es gab keine Aufforderung zu diesem Test und auch keine Hinderungsversuche. Kommentare sind auf diesem Blog übrigens erlaubt und gerade von rw auch erwünscht.

Wo stehe ich?

Mai 25th, 2012

Die Antwort: Mitten auf der Laufstrecke! Wenn ich versuche, mit einem Puls von 130 zu laufen.

Mit Mühe und Not konnte ich einen Durchschnittspuls von 142 (inkl. der 2×5 Minuten Gehpause) erreichen, die Durchschnittspace (ebenfalls inkl. der Gehpausen) betrug 08:02. Gesamtzeit für 10km (inkl Gehpause) waren glatte 80 Minuten! Mir war langweilig, ich habe mich geschämt und der Lauf wollte einfach nicht enden. Ohne motivierende Musik wäre ich wohl in den Sekundenschlaf gefallen und von Wildschweinen verspeist worden.

Hier das Grauen in Zahlen:

km Pace HF
1 07:17 137
2 07:26 150
3 07:45 143
4 07:50 146
5 09:27 129
6 07:49 150
7 07:24 153
8 08:35 145
9 09:03 136
10 08:51 143

Auf dem Rückweg lag dann ein Biergarten, in dem ich meinen Flüssigkeitsverlust (immerhin knapp 30 Grad lt. Autothermometer) wieder auffüllen konnte und die erste Hälfte des neu erstanden kindle-books gelesen habe.

Nächsten Dienstag ist dann mein Termin für den ersten Laktattest. Ich bin auf das Ergebnis gespannt.

Ab dem 01.06. werde ich mein Lauftraining nach der runningwilli-Methode, die eine Halbmarathonzeit sub1:30 in 7 Monaten in Aussicht stellt verspricht, ausführen. Als Ziel dient ein Halbmarathon im Januar oder Februar, ev. der Neujahrmarathon in Zürich, ein Teil des Ultralaufs in Rodgau oder aber auch schnöde selbstgemessen.

Nach meiner OP im Februar und 8 Wochen Laufpause bin ich noch in der Wiederfindungsphase und komme momentan kaum über die 5km hinaus. Danach sind die Beine völlig schlapp und fühlen sich an, als wären sie noch nie gelaufen. Perfekte Startbedingungen also. Im Juni folgt noch eine kleinere Nach-OP, die mich aber wohl hoffentlich nicht lange pausieren lässt.

Viel Zeit für Training bleibt  auch nicht, zum ausfüllenden Fulltimejob kommen noch zwei Nebenjobs(teils 60-70 Stunden/Woche). Damit kann ich zwar nicht gegen 6 Kinder anstinken, aber genügend Zeitknappheit und Terminjonglage bleibt.

Zu meinen bisherigen Laufleistungen: Laufen seit 2009, 2 Marathons (4:12, 4:50). Einen Halbmarathon habe ich noch nie absolviert, aber als schnellste Zeiten habe ich eine Durchgangszeit von 1:58 beim Marathon und eine 1:45 auf 20km stehen. Die Bestzeit für 10km steht bei 0:49, kurz nach dem Marathon mit 1:58 Durchgangszeit für den HM erzielt.

Wie auch immer es im Januar kommen wird, die neue PB wird also fallen!

Ich habe im Augenblick nichts besseres zu tun, also trete ich an, um die Wirksamkeit der runningwilli-Methode zu testen. Ich bin im Vorfeld absolut skeptisch und zutiefst vom Misserfolg überzeugt, aber schaden sollte es zumindest nicht. Meine Intention ist NICHT, diese Methode zu widerlegen, sondern die versprochenen Erfolge zu überprüfen.

Auf den Marathon hatte ich mich seinerzeit sehr akribisch (3 Monate davon intensiv) vorbereitet, bei vollem Einsatz wäre eine HM-Zeit von 1:50 dringewesen. Jetzt warten im Vergleich 7 Monate intensives Training. Mit meinem alten Trainingsplan (Steffny sub 4) wären die 1:45 bei längerer Vorbereitung bestimmt gefallen. Wenn die runningwilli-Methode nun besser sein soll, erwarte ich mindestens eine 1:40.

Die Spiele können beginnen!

Und hier meine grobe, vermutlich unvollständige, Packliste. Am Fughafen wog mein 33l Rucksack exakt 9,9kg, dazu die Kleidung am Körper und ein Drsysack als Handgepäck mit ca. 1 kg. Mit Wasser werde ich wohl so ca 12-14kg geschultert haben, mit leichtem Schwund durch schwindende Vorräte. Aufgefallen ist mir die Gewichtserleichterung allerdings nicht.

Rucksack 33l
Hardshell
Fleecejacke
Hose G1000
2 Funktionsshirts
3 Paar normale Socken
kurze Gaitors
Hut
Schlauchtuch
900g Zelt
Sommerschlafsack
Seideninlet
selbstaufblasende Isomatte
Radhandschuhe
Trekkingstöcke
Trekkingschuhe
Ultralightkocher
Espressokocher
mittlere Kartusche
kleiner Topf
Titantassentopf 600ml
8*Tütensuppe
250g Kaffee
2l PET Flasche
1l Flexflasche
Hartplastikbesteck
Klappmesser
26*Müsliriegel
0,2l Whisky
Smartphone
Blackberry
Taschenbuch
3 Karten
Kompass
Stirnlampe
Solarlämpchen
Reisepass
4*Plastikkarten
First Aid Set
Kackschaufel
16*feuchtesToilettenpapier
Deo
Zahnbürste
Zahnpasta
8l Trockensack
3l Trockensack
Minirucksack
Stoffhexe
später hinzu
8*Tütensuppe
10*Müsliriegel
Kartusche
Regenhose
Midgenetz
Taschenbuch

Arctic Circle Trail

März 19th, 2012

Innerhalb der letzten Wochen ist mir mehrfach ein Wanderweg in Grönland über den Weg gelaufen, erst in dem englischsprachigen Magazin Wanderlust, dann im 4-Season. Zunächst war ich interessiert, dann, angefixt und schlussendlich überzeugt: 2013 soll es auf den Arctic Circle Trail gehen! Die Karibik bzw. Dominica muss warten, erst wird es kalt. Reisezeitraum wird August oder September sein, da es dann noch schneefrei ist, aber bereits Chancen auf das Polarlicht bestehen. Aufgrund der Zugehörigkeit zu Dänemark kommt man mit dem Flugzeug von Kopenhagen aus relativ günstig hin. Der Weg zieht sich über 180km von Kangerlussuaq nach Sisimiut und ist in 8-14 Tagen zu bewältigen. Es gibt absolut keine Infrastruktur, das komplette Essen muss mitgeführt werden.

In den nächsten Wochen und Monaten werde ich noch weitere Informationen über den Weg und meine Vorbereitungen veröffentlichen. Daune oder Kunstfaser? Leder oder GoreTex?

Hat jemand Lust, den Trail mitzulaufen? Begleitung ist erwünscht.